5 Jahre
Alan Wake — es ist da. Nicht für den PC, aber für die Xbox 360. Ohne spielerische Freiheiten, dafür mit Reiseführer-kompatiblen Bergpanoramen. Fünf Jahre vergingen zwischen Ankündigung und Veröffentlichung. Fünf Jahre in denen …
… die Entwickler nicht die gesamte Story im Spiel unterbringen konnten. Stattdessen gibt’s das offenste Ende aller offenen Enden. An der Handlung interessierte Vollpreis-Zahler müssen notgedrungen für DLCs löhnen. Und da regen sich andere noch über käufliche Sternenpferde für World of Warcraft auf.
… die Gesichtsmuskeln der Figuren erstarrten. Ja, liebe 3D-Künstler von Remedy, schöne Zähne habt Ihr da modelliert. Das ist aber noch längst kein Grund, Alan und Freunde ständig die Kauleisten präsentieren zu lassen, wenn sie eigentlich gerade den Mund geschlossen haben.
… alle Remedy-Fans ihre Videospiel-Karrieren an den Nagel hängten. So dachten zumindest die Entwickler. Anders lässt sich kaum erklären, warum sich das Tutorial über knapp fünf Stunden Spielzeit erstreckt. Erst in der vierten von sechs Episoden kommt der Spielablauf endlich über langweilige Standard-Geplänkel hinaus.
… scheinbar nicht so viel Feinschliff betrieben wurde, wie die PR-Abteilung behauptet. Ein von dunklen Mächten besessener Kronleuchter jedenfalls erwies sich als äußerst störrisch. Eigentlich soll der dämonische Deckenbehang in Alans Richtung schnellen. Dieser wiederum postiert sich vor der Attacke an einer verschlossenen Tür, springt rechtzeitig beiseite — Kollege Kronleuchter macht den Weg frei. Solide Spiel-Idee, auch wenn sie mittlerweile nicht mehr so frisch wirkt wie noch vor fünf Jahren. Dumm nur, wenn sich das widerspenstige Ding an allen erdenklichen Möbeln und Türrahmen verfängt.
… in denen sich offenbar kein Bonusmaterial produzieren ließ. Wo andere Entwickler den Spieler für das Sammeln von nutzlosem Gerümpel mit “Making Of”-Schnipseln oder Artworks belohnen, sparen sich die Remedy-Jungs jeglichen Extra-Aufwand. Wer Alan Wake spielt, kann nutzlose und völlig aus dem Zusammenhang gerissene Thermoskannen sammeln, lässt dafür mitunter sogar in eigentlich dramatischen Spielszenen die Handlung kurzzeitig links liegen … und bekommt nicht mehr als maximal zwei Achievements.
Die Liste ließe sich fortsetzen, weil Alan Wake gemessen an der aufgewandten Entwicklungsdauer überraschend unrund und unspektakulär ist. Gerade in den ersten Spielstunden ist der “Psycho-Action-Thriller” tatsächlich geradeheraus strunzlangweilig. Als Gesamtwerk funktioniert Alan Wake trotzdem. Wer’s gekauft hat und dann frühzeitig zur Seite legte, dem empfehle ich durchzuhalten. Ab der vierten Episode geht’s endlich los mit guten Ideen und echten Story-Entwicklungen. Das absolut unbefriedigende Ende allerdings nehme ich den Remedianern wirklich übel.

